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An die Inlandsredaktionen Bern, den 13. Januar 1999

KEINE ARMEE GEGEN FLÜCHTLINGE

Etwa 30 Personen besuchten heute mit uns die Notunterkunft für neuangekommene Asylsuchende auf der unteren Gantrisch-Hütte, die seit dem 9. November 1998 von der Armee ‘betreut’ wird. Frau Nationalrätin Angéline Fankhauser und Kaplan Cornelius Koch begleiteten uns auf dieser Reise.

In ihren kurzen Redebeiträgen verurteilten die Beteiligten die schleichende Militarisierung im Asylwesen und stellten Alternativen dazu vor. Nach einer Begrüssung auf albanisch reichten wir den dort untergebrachten Asylsuchenden dringend benötigte warme Kleider und Merkblätter zum Asylverfahren. Ein Weltempfänger soll zumindest ein bisschen Kontakt mit der Aussenwelt gewährleisten.

Wir verbrachten die kurzen Nachmittagsstunden im anregenden Gespräch, tauschten Erfahrungen aus und knüpften neue Kontakte. Wir stellten fest, dass den Asylsuchenden vor allem die weite Entfernung von ihren Angehörigen und Bekannten in der Schweiz Schwierigkeiten bereitet, dass sie auf Gurnigelbad und Gantrisch-Hütte keine Rechtsinformationen erhalten und dass sie medizinisch nur von einer Krankenschwester betreut werden. Wir nahmen die rigide Hausordnung zur Kenntnis, die nur in den drei Landessprachen aufliegt.

Die Freude, mit der uns die 127 momentan in Gantrisch-Hütte anwesenden Asylsuchenden begrüssten, zeigt uns, dass „die Flüchtlingssache (...) unser aller Sache" ist (Max Frisch in einem offenen Brief an Bundesrat Furgler, 1974). Es ist blanker Zynismus, Menschen, die vor einer Armee geflohen sind, von der Schweizerischen Armee ‘betreuen’ zu lassen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Bundesrat sowie die Mehrheit von Parlament und Kantonen sich weigern, die Möglichkeit einer privaten Unterbringung in Erwägung zu ziehen. Dieser Nachmittag hat uns in unserer Kritik bestärkt, dass die derzeitige militärische Lösung unakzeptabel ist.

Für weitere Fragen und Informationen: Salvatore Pittà (Tel. 031/312’40’32). Das Telephon ist heute abend bis 22.00 Uhr oder am Freitag besetzt.