Alphonse Maza starb mit 48 Jahren.
Wir haben die Gewalt des Staates nicht vergessen.


Am 20.10.98 starb unser Freund Alphonse MAZA MAMPASSI im Alter von 48 Jahren an den Folgen einer langen Krankheit, in Belgien, dem Land, das ihn aufgenommen und ihm Asyl gewährt hatte. Die Schweiz hatte es ihm verweigert, obwohl er vom UNHCR als Flüchtling anerkannt worden war. Seine Tochter Eminence, die sich gern an Genf erinnert, wo sie geboren wurde und mit ihrem Bruder und ihrer Schwester aufwuchs, sagte uns weinend am Telefon: „Mein Vater ist an der Ungerechtigkeit gestorben". Sie erinnert sich an die Solidarität, die ihrem Vater und ihrer Familie im Quartier Jonction in Genf und in der ganzen Schweiz während mehr als einem Jahr entgegengebracht wurde, um ihre Ausschaffung zu verhindern. Sie erinnert sich an die Protestdemonstrationen am Flughafen Cointrin, wo sich die Kameraden der Schule, der Strasse Plantaporrêt, des Quartiers und viele andere Freunde eingefunden hatten.

Als entschiedener Gegner des Diktators Mobutu war A. Maza gezwungen worden, aus seinem Land zu fliehen. Er war am 12.12.1972 in die Schweiz gekommen und hatte am 20. Januar 1979 ein Asylgesuch gestellt, nachdem er zuerst als Student in der Schweiz gelebt hatte.

A. Maza lebte mit seiner Frau Béatrice und den drei Kindern während 15 Jahren in Genf, bis am 27. Februar 1988 (10 Jahre sind seither vergangen!), als ihn die schweizerischen Behörden aus unserem Land auswiesen, unter dem Vorwand, dass seine politischen Aktivitäten Schaden anrichten und die Sicherheit der Schweiz bedrohen könnten. Damals waren die Behörden besorgt darum, die guten Beziehungen mit dem Diktator von Zaire aufrechtzuerhalten, dessen Reichtümer, die er seinem Volk gestohlen hatte, zum Teil auf Schweizer Banken lagen. So verweigerte das EJPD A. Maza das Asyl und schaffte ihn aus, indem es sich auf einen vagen Rapport des „Ministère public de la Confédération" stützte, der von „konspirativen" Kontakten sprach.

Tatsächlich war A. Maza eines der Opfer der Fichenaffaire, welche die Schweiz anfangs der 90-er Jahre in Atem hielt. Bei dieser Gelegenheit trat die Amateurhaftigkeit, die Inkompetenz und die politische Blindheit der Führung der politischen Polizei klar zu Tage. Es ist eine ihrer Fichen, die zur unbegründeten und skandalösen Ausschaffung eines Aktivisten und seiner Familie führte, dem unser Land das Asylrecht verweigerte.

Überdies müssen wir uns daran erinnern, dass Alphonse Maza eines der Opfer einer Vorwegnahme des Gesetzes über die Zwangsmassnahmen war, das es erlaubt, Unschuldige einzusperren. Er wurde in Champdollon gefangengehalten, um ausgeschafft zu werden.

A. Maza und seine Familie haben die Ungerechtigkeit der Politik der Institutionalisierung der Ausweisungen erlitten, die in den 80-er Jahren von Elisabeth Kopp, Vorsteherin des EJPD, und Peter Arbenz, Flüchtlingsdelegierter, eingeführt wurde. Im Kanton Genf wurde diese Massnahme im Fall A. Maza von B. Ziegler, Vorsteher des Justizdepartementes, angewendet.

Dieser tragische Fall muss im kollektiven Gedächtnis der Geschichte des Kampfes für den Schutz des Asylrechts in der Schweiz festgeschrieben werden.

Zusammen mit andern Ungerechtigkeiten in der Praxis des Asylrechts in der Schweiz stellt sich in diesem Fall die Frage nach dem physischen und moralischen Unrecht gegenüber einer Familie von Asylsuchenden, die in der Schweiz Schutz gesucht und die eine ungerechtfertigte Gewalt des Staates erlitten hatte. Die Familie Maza verdient es, in den Genuss des „pretium doloris" (Preis des Schmerzes) zu kommen, als Ausgleich der Leiden, die sie ungerechterweise von Seiten einer Behörde erlitten hatte. Ein solcher Begriff muss in die Praxis des Asylrechts und der Ausländer in der Schweiz integriert werden.

Im Blick auf die Entwicklung der politischen Situation in Zaire, die Fichenaffaire und das Asylrecht in der Schweiz sind wir immer noch empört. Wir sind traurig. Wir haben die Gewalt des Staates und jener, die dafür verantwortlich sind, nicht vergessen. Das „Comité Maza de la Jonction", die Genfer Gruppe „Violence et droit d’asile en Europe", der Rechtsanwalt Jean-Bernard Weber, alle Freundinnen und Freunde in Genf und in der Schweiz entbieten seiner Frau Béatrice und seinen drei Kindern ihre Anteilnahme und Solidarität.

Der Körper von A. Maza wurde nach Zaire heimgebracht, um dort beigesetzt zu werden. Sie können sich an den Kosten beteiligen, indem Sie Ihren Beitrag an das Postscheckkonto der Genfer Gruppe „Violence et droit d’asile en Europe" GGE, Vermerk „Solidarité famille Maza" überweisen. Das gesamte Geld wird direkt an Béatrice Maza und ihre drei Kinder überwiesen.

Genf, Oktober 1998 wp

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