Diskriminierung von Fahrenden

Unter dem Titel „Wie die Fahrenden gegen ihren Willen in die Willensnation gepresst wurden" stellt die Weltwoche vom 5. Februar 1998 die Ausstellung „Wider das Leugnen und Verstellen - Carl Durheims Fahndungsfotografien von Heimatlosen 1853/53" vor, die bis zum 22. März im Fotomuseum Winterthur gezeigt wird.

Am 19. März 1998 kommentiert die WoZ die Wiedergutmachung aus dem Holocaust-Fonds an 45 jenische Opfer der Schweizer Wegweisungspolitik der Vierziger Jahre: „Es reicht knapp für ein GA". Als eher merkwürdig mutet es der WoZ an, „dass Fahrende eine Adresse samt Ort und Postleitzahl angeben müssen", wollen sie Fondsmittel beanspruchen.

Die Vierteljahresschrift ‘Scharotl - Die Zeitung des jenischen Volkes’ kommentiert in ihrer März-Ausgabe die „späte Anerkennung" auf Seite 18 mit einer Karikatur: Zwei Skelette erhalten von einem Geschäftsmann je eine Tausendernote, die ihnen auf die Rippe mit einer Klammer geheftet wird.

Im Zürcher Gemeinderat wird am 25. Mai 1998 eine Interpellation betreffend „Verfolgungen und Diffamierungen von Jenischen insbesondere durch die Zürcher Medizin und Psychiatrie" behandelt. Im Ratsbericht der NZZ wird der Interpellant am darauffolgenden Tag zitiert: „Entwürdigende Mechanismen sind teilweise immer noch am Wirken. Die leitenden Köpfe des Burghölzli pflegten enge Zusammenarbeit mit Nazigrössen". „Der Antrag auf Diskussion wird mit 51 gegen 42 Stimmen verworfen", berichtet die NZZ weiter.

Eine historische Studie des Bundesamtes für Kultur zum Pro-Juventute-‘Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse’ erregt anfangs Juni Empörung und Betroffenheit, wie die Süddeutsche Zeitung vom 8. Juni 1998 zu berichten weiss. Die Akten umfassen 1289 Dossiers, Ordner und andere Materialien mit einem Gesamtumfang von 36,2 Laufmeter und betreffen mehr als 600 Fälle von Kindesentzug zwischen 1926, dem Gründungsjahr des ‘Hilfswerks’, und 1972, dessen Auflösungsjahr.

Schon am 4. Juni berichten Weltwoche und WoZ über die Studie, die Tagespresse nimmt sich des Themas am 6. Juni an. Die amtierende Präsidentin der Pro Juventute entschuldigt sich noch einmal in aller Form bei den Jenischen. Bundesrätin Ruth Dreifuss spricht von einem traurigen Kapitel der Sozial- und Fürsorgepolitik, das auf die Gründung des Bundesstaates zurückgehe.

Am 11. Juni befasst sich die WoZ mit der Frage nach den Konsequenzen der Studie und zitiert Bundesrätin Dreifuss: „Der Bundesrat entscheide erst im Herbst".

Am 13. Juni widmet die BaZ einen Artikel der „Basler Vorgeschichte eines Skandals" und zitiert die Studie im Hinblick auf die pädophilen Neigungen des Leiters des Hilfswerks von 1926 bis 1960, Alfred Siegfried. Als dieser vor seiner Leitungsfunktion beim ‘Hilfswerk’ als Lehrer am Basler Humanistischen Gymnasium unterrichtete, wurde er 1924 wegen sexuellen Verfehlungen mit einem Schüler „vom Rektor aus dem Unterricht geholt und dann verhaftet". Er sei danach verurteilt worden.

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