Rechtsextremismus

La Liberté widmet am 29.7.98 eine ganze Seite dem Avalon-Kreis, einer völkischen, eurozentristischen Geheimgesellschaft Rechtsextremer, der Revisionisten wie auch Hammerskins angehören. 1989 vom damaligen Viking-Jugend-Chef Roger Wüthrich und seinem Freund Gossweiler gegründet, gibt die ca. 150 Mitglieder zählende Gruppe ein internes Schreiben namens ‘Avalon-Brief’ raus und feiert in Waldhütten, Burgen oder ruhige Häuser im Bernerbiet ‘Kristallnacht’, den Fall der Mauer und den Putsch Hitlers in München.

Zwei Personen werden wegen rassistischer Aussagen am Rande der Bundesfeier von der Rütliwiese abgeführt. In den letzten Jahren kam es dort „wiederholt zu Zwischenfällen mit Rechtsradikalen" (NLZ 3.8.98). ‘Morgenstern’ und ‘Nationale Initiative Schweiz’ feiern 1. August mit Gleichgesinnten auf einer kleinen Berghütte mitten in den Alpen (Neue Ordnung, White Power magazine from Southern Germany, Nr.1).

Das fünfte Mal, als Naziskins ein besetztes Anwesen in Zollikofen angreifen, wird in der Nacht vom 8. auf den 9.8.98 scharf geschossen. Zwei Personen werden dabei verletzt. Ca. 30 Naziskins versuchen, in die seit vier Jahren bewohnte Strickwarenfabrik einzudringen und werden mit Gummischrot abgewehrt. Die Polizei nimmt lediglich zwei BewohnerInnen des Areals fest. Die Antifa Bern vermutet, dass es bei den Angreifern um Berner ‘Hooligans’ aus dem Umfeld der ‘Nationalen Offensive Ittigen’, ehemals ‘Organisation Bern’, früher ‘Neofaschistische Front Bern’, handle (Bund 11./12./14.8.98, vorwärts 28.8.98, noir&rot 9./10.98).

Am 23. Mai 98 treffen sich ca. 150 Naziskins im Wald bei Langrickenbach TG. Verdächtige Personen und Fahrzeuge aus Amriswil werden zwar überprüft, aber dabei kein verbotenes rassistisches Propagandamaterial gefunden. An Schulen mit Internet-Anschlüssen werde kontrolliert, auf welche Angebote und Informationen die Schüler zurückgreifen. Nach polizeilicher Einschätzung nimmt der Bestand der Skinheads im Kanton Thurgau gegenwärtig leicht zu (SGT/Thurgauer Zeitung 17.8.98). In einem Schweiz-deutsch-liechtensteinisch-österreichischen Treffen besprechen Polizeikommandanten Strategien zur Eindämmung von Straftaten durch Skinheads (SGT 23.10.98).

Im Romp-Heft Nr. 17 (Herbst 98) „nimmt ein aufwendig recherchierter Bericht über eine faschistische Szene entlang der Kleinen Emme, zwischen Littau und Wolhusen" viel Platz ein (NLZ 9.9.98). An einer Veranstaltung der Schulpflege Littau zum Thema Naziskins bestätigt Rektor Rolf von Rohr die Existenz einer los organisierten rechtsextremen Szene, die im Frühling 98 das ehemalige Restaurant Hammer, kurze Zeit besetzt und seit über zwei Jahren legal gemietet, angegriffen und dort massiven Schaden angerichtet hatte (Die Region 8.10.98).

Eine Gruppe Naziskins zieht in der Nacht auf Sonntag in der Schaffhauser Altstadt herum und greift mehrere Personen tätlich an. Zwei Personen müssen sich in Spitalpflege begeben (Schaffhauser Nachrichten 18.9.98).

Das ‘Ian Stuart Memorial’ vom 24.9.98 muss kurzfristig verschoben werden, nachdem die Waadtländer Regierung das oberhalb Lausanne geplante Treffen verboten hat (Tagespresse 16./17./19.9.98). An die 40 Hammerskins verirren sich dennoch auf der Autobahnraststelle Yvorne und bedrängen einen Kameramann des TSR, bis er ihnen schliesslich die Aufnahmen übergibt. Die Naziskins zerstören das Band vor den Augen der zahlreich anwesenden Polizei.

Im Nachtrag beschäftigt sich die Presse mit der Frage, warum der Staatsrat das Treffen nicht sofort verboten hat, da er mindestens seit dem 7.9.98 alle Elemente für die Beurteilung der Lage besass (24h/vorwärts 25.9.98, megafon 10/98, karnikl Herbst 98, SoZ 23.8.98, le temps 24.8.98, vorwärts 28.8.98). Schliesslich finden sich 700 bis 800 Naziskins am 24.9.98 im sächsischen Gera ein. Die Polizei beendet das Treffen frühzeitig (Neue Ordnung, White Power magazine from Southern Germany, Nr.1).

Die Antifaschistische Liga Freiamt (A.L.F.) veröffentlicht anfangs Oktober eine Chronologie von 18 „faschistisch motivierte Uebergriffe im Freiamt (Aargau) von 1996 bis 1998" (karnikl 4/98).

Freispruch für zwei Skinheads im Liechtensteiner Schöffengericht. Sie hatten im August 97 anlässlich einer Aktion der ‘Nationalen Initiative Schwei’ Flugblätter zum Boykott des Basler Zionistenkongresses in Briefkästen verteilt. Die Aktion war „perfekt organisiert" worden (WoZ 8.10.98).

Jürg Frischknecht und Peter Niggli veröffentlichen „Rechte Seilschaften - Wie die unheimlichen Patrioten den Zusammenbruch des Kommunismus meisterten" im Rotpunkt-Verlag (TA 6.10.98, SoZ 11.10.98, Weltwoche 15.10.98, SGT 22.10.98, AZ 16.11.98, NZZ 17.11.98, vorwärts 20.11.98, Friedenszeitung 5/98).

Am 10.10.98 überfallen etwa fünfzehn Männer aus der Winterthurer rechtsextremen Szene die linke Beiz ‘Widder’. Der Widder sei 98 „wiederholt zur Zielscheibe rechtsgerichteter Angriffe geworden: Ende April kam es vor der Beiz zu einer Schlägerei, und bereits mehrere Male wurde die Fassade der Beiz mit rechtsextremen Propaganda-Material versehen - letztmals Mitte September, als nach Beizenschluss drei Männer einen Mitarbeiter bedrohten und die Scheiben einschlugen. (...) Augenzeugen sagen aus, es handle sich um immer dieselben Personen" (TA 12.10.98).

Am Albanifest im Juni 98 hatten etwa 20 Naziskins am Bahnhof Jugendliche und einen Beamten tätlich angegriffen (NZZ 29.6.98). In der Nacht vom 12. auf den 13.12.98 verletzen Skins zwei Jugendliche und einen Gemeindepolizisten mit Eisenstangen in Dietlikon ZH. 6 Schweizer im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, die alle in Winterthur und Umgebung wohnen, (...) müssen sich wegen Raufhandels, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Sachbeschädigung verantworten" (SoZ 13.12.98, ap/TA 14.12.98).

Christoph Vögeli, Zürcher Stadtpolizist der Fachstelle Hoolignismus schätzt die Zahl organisierter Hooligans auf rund 200 und stellt Hochburgen militanter Fussball- und Eishockeyfans in Zürich (Hardturm-Front, City Boys), Basel (Anal-Terror, Jugo-Power) und Lugano (Ultras) fest. In einem Kasten werden Vorfälle anfangs November 98 in Luzern, Lugano und Zürich publiziert (AZ 10.11.98). Der Pressespiegel ‘Blick nach rechts’ (1. Halbjahr 98) publiziert auf die Seiten 32 und 33 eine Liste von Hooligans-Clubs, datiert 6.4.98.

Die Lausanner Polizei verbietet das Konzert der englischen Dark-Wave-Gruppe ‘Death in June’ (WoZ 5.11.98, sda 16./17.11.98. le temps 14.11.98). In einem Kasten gibt le temps bekannt, dass Olivier Kunz, Organisator des Naziskin-Konzertes am 7.3.98 im Kanton Neuenburg, und zwei weitere Skins, alle verteidigt vom Genfer Anwalt Junod, mangels Beweisen freigesprochen wurde, „da der Polizeirapport ‘ziemlich hohl’ gewesen sei" (WoZ 19.11.98). Gegen Kunz ist noch „ein weiteres einschlägiges Strafverfahren" hängig: „Die Zollbehörden beschlagnahmten eine Sendung von rassistischen Tonträgern, die Kunz in die Schweiz einführen wollte."

An die 150 Naziskins wollten sich am 28.11.98 in Salavaux VD treffen. Nachdem die Waadtländer Regierung am Wochenende das Treffen auf ihrem Territorium verboten hatte, handelt der Freiburger Staatsrat ebenso. Am Samstagabend versammeln sich trotzdem an die 70 Naziskins in Murten (24h 28./29./30.11.98, sda 29.11.98).

Ein mittlerweile 24jähriger Student der Rechtswissenschaften, Offiziersanwärter und Sohn eines SVP-Lokalpolitikers wird am 12.11.98 zu drei Jahren Haft verurteilt. Er hatte 1995 und 1997 in Brugg AG und Nussbaumen bei Baden AG drei Brananschläge auf Asylunterkünfte verübt (Tagespresse 13.11.98, WoZ 12.11.98, AZ 1.12.98).

„Das Skinheads-Urteil ist rechtskräftig" (NLZ 26.11.98): „Zwei Rechtsextreme, die im November 95 an einem Ueberfall auf ein Festival in Hochdorf beteiligt waren, müssen definitiv für 12 Monate ins Gefängnis" (sda 26.11.98). Die bedingte Strafe war am 26.7.98 in eine unbedingte umgewandelt worden (sda 26.7.98).

In Burgdorf bedroht ein Schweizer Berufsschüler einen türkischen Klassenkameraden mit einem Revolver, weil dieser ihn beim Lernen gestört hatte (Bund 1.12.98).

Eine Gruppe AntifaschistInnen demonstriert im Hauptbahnhof Bern „gegen Uebergriffe von Neonazis und Polizei im Berner Bahnhof". In letzter Zeit hätten sich Uebergriffe von Hooligans und Naziskins in der Berner Altstadt gehäuft (Bund 7.12.98, vorwärts 18.12.98).


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