St. Katharina-Werk, Basel
BODS (Bewegung für eine offene, demokratische Schweiz), Bern

Pressecommuniqué

Balkankonferenz ohne lokale Nicht-Regierungsorganisationen

Am Gipfeltreffen in Sarajewo sind Staats- und Regierungschefs von 25 Ländern sowie Spitzenvertreter von 17 internationalen Organisationen, jedoch kaum Frauen und VertreterInnen von Menschenrechtsorganisationen und Demokratiebewegungen der jeweiligen Länder vertreten. Für einen dauerhaften Frieden in der Balkanregion muss jedoch den basisnahen NGOs und den Frauen eine zentrale Rolle zukommen. Ohne ihre massgebliche Mitwirkung sind Friedens- und Demokratisierungsprozesse zum Scheitern verurteilt.

Seit Jahren fordern Schweizer NGOs eine internationale Balkankonferenz.

Im Februar 1997 appellierten die unterzeichnenden Organisationen, zusammen mit anderen kirchlichen und asylpolitischen Organisationen, an den Bundesrat, darauf hinzuwirken, „damit eine internationale Balkankonferenz einberufen wird. An dieser Konferenz sollten alle in den Krieg involvierten Konfliktparteien und die angrenzenden Länder sowie die NGOs, welche die verschiedenen Bevölkerungsgruppen vertreten, als gleichberechtigte Partnerinnen eingeladen werden. Diese Konferenz soll einerseits begonnene Versöhnungsprozesse unterstützen, andererseits aber auch die noch bestehenden grossen Konflikte sichtbar machen. Alle Beteiligten sollen Gelegenheit haben, wirklich gehört zu werden. Das EDA beantwortete diesen Appell im Mai 1997 abschlägig, da eine solche Konferenz „ohne die Teilnahme der Bundesrepublik Jugoslawien nicht realisierbar" sei.

Seither hat der blutige Krieg, vor dem wir warnten und von dem alle wussten, dass er kommen würde, in einem damals noch unvorstellbaren Ausmass stattgefunden. Nach unbezifferbaren Verlusten an Menschenleben und Lebensgrundlagen wird nun endlich eine Balkankonferenz einberufen - ohne regionale NGOs und ohne Bundesrepublik Jugoslawien. Weder Menschenrechts- und Frauenorganisationen, weder Demokratiebewegungen noch VertreterInnen der in allen Ländern der Balkanregion unterdrückten und vertriebenen Roma haben auf dieser Konferenz eine Stimme. Dies ist umso empörender, als in allen neueren UNO- und OSZE-Dokumenten die zentrale Rolle von basisnahen NGOs und Frauen in Friedens- und Wiederaufbauprozessen anerkannt wird. Sie werden lediglich für die unentgeltlich und risikoreiche Einsätze gebraucht, beispielsweise um das Regime Milosevic’s zu stürzen oder Brücken zwischen unversöhnlichen Konfliktgruppen zu bauen. Wir appellieren deshalb erneut, basisnahe NGOs - insbesondere auch Frauen - in die Analysen und Entscheidungsprozesse im Friedens- und Demokratisierungsprozess einzubeziehen und sie nicht für machtpolitische Interessen zu instrumentalisieren.

Heidi Rudolf (St. Katharina-Werk) und Anni Lanz (BODS)

Bern, den 31. Juli 1999

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(Flüchtlinge in der Schweiz, die wieder in die Region zurückkehren werden, müssen nicht nur beim materiellen Wiederaufbau, sondern auch beim den konfliktreichen Demokratisierungsprozess unterstützt werden. Frauen halten in Konfliktgebieten hauptsächlich die soziale Ordnung aufrecht; ihrer grossen Verantwortung muss mehr Beachtung geschenkt werden.)