SYN(syn)


Manchmal, so will es scheinen, bleibt die Geschichte stehen. Vor dreizehn Jahren engagierte sich ein grosser Kreis gegen die Asylgesetzverschärfung und für eine offene, demokratische und solidarische Schweiz. Zwei Bewegungen sind damals entstanden, die sich heute wiederum vor die gleichen Fragen gestellt sehen: Die Verschärfung des Asylrechts und eine offizielle Schweiz, die sich - zusammen mit EU-Schengenland - gegen die Menschen aus der Nicht-EU-Welt einigeln will.

Obwohl das politische Umfeld in diesen dreizehn Jahren immer schwieriger geworden ist, haben beide Bewegungen hartnäckig durchgehalten. Die BODS blieb ihren vielfältigen Aufgaben treu und baute ein breites Netz der Solidarität auf und aus. Das damalige Komitee gegen die Aushöhlung des Asylrechts wurde schliesslich zur Asylkoordination Schweiz; sein ursprünglicher Name von 1986 hingegen findet sich heute wieder im Untertitel von asyl.ch, die nächste Asylgesetzverschärfung steht vor der Haustür.

Dass sich beide Bewegungen bis heute haben halten können, ist zuerst den zahlreichen Spenderinnen und Spendern zu verdanken. Mit ihren grossen und kleinen Beiträgen geben sie zu verstehen, dass der Auftrag noch nicht erfüllt ist, dass sie - allen politischen Niederlagen zum Trotz - ein gerechtes Asylverfahren und eine offene und solidarische Schweiz wollen. Es ist aber auch der Hartnäckigkeit und dem unermüdlichen Engagement der KoordinatorInnen sowie den ehrenamtlich tätigen Vorstands- oder Ausschussmitgliedern beider Bewegungen zu verdanken, dass alle diejenigen noch eine Stimme haben, die sonst längst verstummt wären in unserem Land.

(„syn") ist griechisch und bedeutet - als Vorsilbe verwendet - „gemeinsam, samt, zugleich mit". Sowohl die AKS als auch die BODS haben in den vergangenen Jahren immer mehr Aktivitäten gemeinsam durchgeführt, ihre Energien zusammengelegt, einander ergänzt und unterstützt, aber auch voneinander gelernt. In einer Zeit intensiver Zusammenarbeit entstehen daher immer mehr Synergien, wie etwa bei der jetzt zu bekämpfenden Asylgesetzverschärfung.

Ein Blick zurück zeigt, dass „syn" nicht immer so einfach war. So gab es Zeiten, wo sich die verschiedenen Bewegungen nicht gerade konkurrenziert, aber doch nicht nur in eitel Freude zusammengearbeitet haben. Ideologische Differenzen waren das eine, der kleine Neid tat sein weiteres, etwa wenn die „anderen" öfter in der Presse zitiert wurden oder mehr Geld auf dem Postscheck-Konto zählen konnten. Mehr und mehr bestimmte aber die politische Agenda die Aktivitäten beider Organisationen, sodass man sich immer öfter im gleichen Zug sitzend wiederfand, etwa bei Kampagnen gegen ausländerfeindliche (SVP)-Initiativen, gegen die Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht oder für die Einführung der Rassismus-Strafnorm.

Dass heute ein eigentlicher Zusammenschluss von AKS und BODS diskutiert wird, ist ein Erfolg für die eigene Bewegungs-Geschichte. Was längst Alltagsrealität ist, soll auch formell vollzogen werden. Solidarität kennt bekanntlich keine Grenzen, auch keine statutarischen. In einer Welt, in der vieles auseinanderbricht, kann ein Zusammengehen dieser beiden Bewegungen nur Mut und Stärke schaffen. 

Catherine Weber
Sekretärin VPOD-NGO
ehemalige Koordinatorin Referendumskomitee
Asylgesetzrevision 1986/87

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