KOMMENTAR ZU DELAMURAZ
Sicher wird sich Herr Delamuraz für seine Biertisch-Gedanken ex bundespräsidialer
Cathedra nicht entschuldigen. Sicher wird sich der Rest-Bundesrat von
seinem Kollegen nicht distanzieren (Frau Dreifuss: Das gehört nicht zu unseren
politischen Sitten). Die bange Frage ist nun ob der Jüdische
Weltkongress nachgibt. Sollte er es tun, dann ist die Krise beigelegt, man kann
wieder aufatmen!!!!
Trotz kritischer Kommentare in der Presse und kritischer Äusserungen prominenter
Schweizer Persönlichkeiten, erscheint das ganze als eine Auseinandersetzung zwischen dem
Jüdischen Weltkongress und dem Schweizer Bundesrat. Die Krise ist
aber in Wirklichkeit eine innerschweizer Angelegenheit. Die unqualifizierten
Äusserungen des alt Bundespräsidenten sollten all jene auf die Barrikaden bringen, die
für Menschenrechte und gegen Rassismus und Antisemitismus in der Schweiz eintreten. Ich
vermisse zum Beispiel Mahnwachen vor dem Bundeshaus oder ähnliche Aktionen. Ich vermisse
eine Distanzierung der SP gegenüber ihren sich nicht distanzierenden Bundesräten, ich
vermisse eine laute und artikulierte Empörung der wachen Minderheit...
Wenn die SchweizerInnen selber nicht fähig sind, ihre politische Spitze zur Vernunft zu
bringen, disqualifiziert sich die Schweiz als Ganzes.
12. 1. 1997
Takis Armyros
PS: Meine Gedanken zu Villigers Rede
im Mai 1995 (veröffentlicht im Vorwärts) sind
wieder aktuell.