Ich pfeife auf Toleranz
Meine Antwort auf die Kampagne gegen die 18%-Initiative am 24. Spetember 2000


Mir bleibt die Spucke weg!

Ich habe gemeint, dass wir sogenannten Linken in der Schweiz in dem Punkt einig seien, dass wir nämlich bei jeder Abstimmung, welche den Teil der schweizerischen Wohnbevölkerung betrifft, der keinen Schweizer Pass besitzt, auf Rechte und Grundrechte hinweisen, und nicht taktisch manövrierend und politisch vernebelnd auf die Gefühle des anderen Teils der schweizerischen Wohnbevölkerung mit Schweizer Pass und Stimmrecht appellieren.

Aber: auch geistige Krankheiten können ansteckend und epidemisch sein. Die Korruption des politischen Denkens ist nicht nur ein trauriger Befund bei bürgerlichen PolitikerInnen. Auch links der SP ist man dagegen nicht gefeit. Immer wieder muss ich zusehen, wie Menschen, die ich geschätzt habe, ihr eigenes Denken kastrieren, um mit irgendwelchen übergeordneten landesspezifischen Epidemien „kompatibel" zu sein.

Liebe bisherige Mitkämpferinnen und Mitkämpfer, die das „Komitee Für eine tolerante Schweiz" erfunden habt und den Kurs der Kampagne bestimmt!

Ihr wollt bei dieser Kampagne nicht die Realität benennen und dafür kämpfen, dass es allen deutlich wird, warum eine solche Initiative möglich wurde: Weil die Schweiz nämlich kein zeitgemässer Rechtsstaat ist. Denn in einem solchen würde mehr als die Hälfte dieses als „Ausländer" apostrophierten Bevölkerungsteils einen Pass des entsprechenden Landes besitzen.

Statt ehrlich und mit politischen Perspektiven, welche langfristig angelegt wären (und auch den bevorstehenden Kampf gegen das kommende ANAG mit berücksichtigen würden), die Kampagne zu führen, gründet Ihr ein Komitee, das Ihr „Für eine tolerante Schweiz" nennt (ein mich zutiefst beleidigender Name, denn ich will nicht auf die Toleranz der anderen angewiesen sein, sondern meine Rechte wahrnehmen können) und formuliert Eure Sorge. Zitat: „Die Annahme dieser Begrenzungsinitiative, die am 24. September dieses Jahres zur Abstimmung kommt, würde dem Ansehen und der politischen Kultur der Schweiz grossen Schaden zufügen." - Eigentlich zwei Attribute, welche die Schweiz (auch mit linkspatriotischer Hilfe) längst verloren hat.

Takis Armyros, noch Vorstandsmitglied von Solidarité sans frontières


Dieser Artikel wurde am Vorabend der "Mobilisierungskonferenz" am 26. August 2000 findet im Hotel Emmental in Olten geschrieben. Bald darauf trat ich von der Solidarité sans frontières aus.

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