| Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) - Commission fédérale contre le racisme (CFR) |
| Commissione Federale contro il razzismo (CFR) - Cumissiun federala cunter il razzissem (CFR) |
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16. Januar 1997 |
EKR ist besorgt über neu erwachten Antisemitismus im Gefolge der Holocaust-Diskussion und mahnt zu verantwortungsvollem Handeln
An ihrer Plenarsitzung vom 16. Januar 1997 setzten sich die Mitglieder der Eidg. Kommission gegen Rassismus (EKR) mit den Auswirkungen der Debatte um die nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern und der Rolle der Schweiz als Finanzplatz während der Nazizeit auseinander.
Die Mitglieder der EKR sind äusserst alarmiert über die erneut aufgeflammten antisemitischen Diffamierungen. Sie sind erschrocken darüber, wie dünn die Decke, welche über dem latenten Antisemitismus liegt, mancherorts in der Schweiz ist. Nach der jüngsten Zuspitzung der Kontroverse um eine erste Geste der Schweiz zugunsten von Holocaust-Opfern ist diese Decke teilweise wieder aufgebrochen. Hervor kommen die alten Stereotypen einer rassistischen und judenfeindlichen Haltung, die sich plötzlich wieder unmaskiert zeigen kann. Rassenhass nährt sich zuerst aus Worten, diese bereiten jedoch den Weg vor zu Gewalttaten gegen Menschen, die das Objekt des Hasses darstellen.
Es darf nicht geschehen, dass mehr als fünfzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die Opfer zu Tätern gemacht werden und unter Zuhilfenahme alter Feindbilder eine Gegnerschaft zwischen den jüdischen Organisationen und der Schweiz konstruiert wird. Es geht vielmehr darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten, auch wenn dies für alle Beteiligten ein schmerzhafter Prozess sein kann.
Die EKR ruft Behörden, Politiker aller Parteien, Schulen, Kirchen sowie die gesamte Schweizer Öffentlichkeit auf, Worte und Taten sorgsam abzuwägen und den gefährlichen rassistischen Tendenzen mit allen Mitteln entgegenzutreten. Für die EKR steht fest, dass die Aufklärung und stetige Arbeit gegen Rassismus und Antisemitismus zu den wichtigen Aufgaben von Staat und Schule gehören. Sie fordert diejenigen auf, die in Führungspositionen anderen Menschen ein Vorbild sind, sich mutig der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu stellen und sich gegen Verunglimpfungen und Diffamierungen unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger öffentlich zu wehren.