Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) - Commission fédérale contre le racisme (CFR)
Commissione Federale contro il razzismo (CFR) - Cumissiun federala cunter il razzissem (CFR)

15. Oktober 1997

SPOCK – eine Zeitung wirbt für Verschiedenheit als Chance


Beitrag von Doris Angst Yilmaz, Leiterin des Sekretariat der EKR

Die Eidg. Kommission gegen Rassismus lanciert zusammen mit den Sozialpartnern die Zeitung SPOCK. Sie wendet sich an junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Informationen zur Chancengleichheit, über die Vorteile der Mehrsprachigkeit, aber auch mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen. Nicht von ungefähr erhielt die Zeitung den Namen der bekannten Figur Mr. SPOCK aus der amerikanischen Science Fiction-Serie Star Trek, der als Wesen zweier Welten für Goodwill und Toleranz steht.

SPOCK richtet sich auch an die Arbeitgeber mit der Botschaft, dass Verschiedenheit im Betrieb eine echte Chance bietet. Mit Beispielen aus Berufsschulen und Betrieben macht die Zeitung SPOCK deutlich: mit gutem Willen und dem Einsatz finanzieller Mittel am richtigen Ort ist auch in der Arbeitswelt ein Zusammenleben aller ohne Ausgrenzung möglich. Die EKR sieht ihre Bemühungen im gesamtgesellschaftlichen Umfeld. Ein weiterführender Schritt in den Betrieben wäre nach ihrer Meinung die Schaffung von Firmenleitbildern, welche explizit die Gleichbehandlung aller ungeachtet ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion enthalten.

Die Zeitung SPOCK wird jetzt in einer Auflage von 100’000 Stück auf Bestellung beim Sekretariat der EKR an Berufsschulen, Firmen und Betriebe gratis abgegeben. Verbands-, Fach- und Gewerkschaftspublikationen werden sie vorstellen und empfehlen. Nächstes Jahr soll SPOCK in je einer regional adaptierten französischen und italienischen Version erscheinen. Rückmeldungen von positiven Beispielen, aber auch Meldungen negativer Art sind beim Sekretariat der EKR willkommen.

SPOCK Nr. 1 wurde von der EKR und den Sozialpartnern finanziert. Um weitere Nummern und Sprachversionen sicherzustellen, suchen wir Sponsoren. Gerne nimmt das Sekretariat entsprechende Angebote entgegen.


Beitrag von Markus Marti, Leiter des Arbeitsamts des Kantons Obwalden; Mitglied EKR

Im Zusammenhang mit der vieldiskutierten ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit ist der Standortvorteil häufig ein mitentscheidendes Kriterium. Insbesondere in einer Zeit, in der die Zusammenarbeit im Team immer zentraler wird. Weiss nämlich ein allfälliger Investor, dass er sich bei der Personalrekrutierung auf die beruflichen Qualifikationen konzentrieren kann, weil er davon ausgeht, nicht auch noch eventuell entstehende Diskriminierungskonflikte mit berücksichtigen zu müssen, so trägt das zu einem nicht zu unterschätzenden Ausmass zur Entscheidsicherheit bei - und ist damit ein wesentlicher Standortvorteil. Aber nicht nur Investoren, die in unserem Land neue Arbeitsplätze schaffen wollen, sind an einem Zusammenleben, das möglichst frei von Diskriminierungen ist, interessiert. Wir alle müssen aufgrund unserer längerfristigen demokratischen Entwicklung, aber auch aufgrund unserer volkswirtschaftlichen Bedürfnisse lernen, dass das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Nationen, aus anderen Kulturen positiv zu bewerten ist. Gerade im Zusammenhang mit den Unsicherheiten, welche die ökonomische Globalisierung hervorruft, liegt darin ein zukunftsweisendes stabilisierendes Element, das es zu nutzen gilt.

Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus nimmt die ihr vom Bundesrat übertragene Aufgabe äusserst ernst, durch ihre Aufklärungskampagnen Voraussetzungen zu schaffen, die ein konflikt- und spannungsarmes Zusammenleben von sozialen Gruppen unterschiedlicher Kulturen ermöglichen. Zur Sensibilisierung der Bevölkerung im Umgang mit Minderheiten ist eine neue Qualität des Politdialoges unabdingbar. Die einflussreichen Gruppenvertreter aus Politik und Wirtschaft dürfen sich diesem Thema nicht mehr länger verschliessen. Sie müssen klar dazu stehen, dass es unser aller - und damit auch des Staates - Aufgabe ist, die gesellschaftlichen Partizipationschancen von Minderheiten auszubauen. Durch den Abbau von alltäglichen Diskriminierungen gewinnen wir wichtige Bausteine für unsere Zukunftsbewältigung. Diese Botschaft gilt es - mit Ihrer Hilfe - zu verbreiten.


Beitrag von Peter Sigerist, Sekretär Schweiz. Gewerkschaftsbund; Mitglied der EKR

Vor über einem Jahr schlug der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) in der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) vor, eine Antirassismuskampagne in der Arbeitswelt vorzubereiten, die sich insbesondere an die jüngeren Menschen richten soll. Inspirieren liess sich der SGB von einer "Aktion der Sozialpartner" der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Deutschen Gewerkschaftsbundes: "Zusammenleben mit Ausländern". 1997 ist zudem in der Europäischen Union das Jahr gegen Rassismus.

In der Schweiz gibt es, stimuliert durch den Erfolg der Abstimmungskampagne 1994, bereits vielfältige Initiativen: Schule ohne Rassismus, Sportler/innen gegen Rassismus, Rock gegen Hass u.a.m. Diese positiven Aktivitäten weisen deutlich darauf hin, dass wir in der Schweiz ein Problem haben, das an die Wurzeln unserer Demokratie greift.

Zunehmende rassistische und fremdenfeindliche Manifestationen sind nicht allein auf die langandauernde Wirtschaftskrise mit all ihren negativen sozialen Folgen zurückzuführen. Zu den pessimistischen beruflichen Zukunftsaussichten für einen guten Teil der Jugend gesellen sich die bröckelnden Identitätsstiftungen in einem Land, das gleichzeitig sowohl Mühe mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte als auch mit einer klaren Weichenstellung für die Zukunft bekundet. Auf diesem Boden keimt die Saat der Sündenbocksuche für die eigene, schwieriger gewordene soziale Stellung besonders gut. Diesen kurzsichtigen und negativen Tendenzen geschlossen entgegenzutreten, ist denn auch eine Aufgabe all jener Kräfte, die das demokratische Fundament unserer Gesellschaft nicht antasten lassen wollen.

Mit der Anprangerung oder gar Verurteilung von rassistischen Äusserungen ist es allerdings beileibe nicht getan. Vielmehr wollen wir mit konkreten Beispielen zeigen, wie das Zusammenleben unter Menschen in der Ausbildung und am Arbeitsplatz vernünftig und diskriminationsfrei gestaltet werden kann. Die Kampagne soll interaktiv gestaltet werden: Die Leser/innen sind aufgerufen, ihre Erlebnisse und positiven Aktionen zu melden, damit wir sie in weiteren Ausgaben von SPOCK bekanntmachen können.

Der SGB hat nicht nur konzeptionell an dieser Kampagne gearbeitet. Er hat selbst ein Projekt unter dem Patronat von Bundesrätin Dreifuss entwickelt: den "Lauf gegen Rassismus und Antisemitismus". Der Erlös dieses Sponsorenlaufs wird in die SPOCK-Kampagne investiert, damit sie im ganzen Land ausgebreitet und weiterentwickelt werden kann. Dieses gewerkschaftlich getragenen Projekt fand auch die Unterstützung gewichtiger Betriebe und Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern, was untermalt, dass im Bereich des Kampfes gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit die Sozialpartnerschaft durchaus noch spielt.

In der ersten SPOCK-Ausgabe steht die Mehrsprachigkeit als positiver Aspekt im Vordergrund. In kommenden Ausgaben, die zunächst immer wieder über Sponsoring vorfinanziert werden müssen, werden wir auch andere Themenbereiche durchleuchten.

Wir sind überzeugt, dass SPOCK gute Diskussionen an Berufsschulen und in den Betrieben ein grösseres Echo auslösen wird, und wir werden entsprechend motiviert an der Entwicklung dieser Kampagne weiterarbeiten.


Contribution de Dr Olivier Meuwly, secrétaire de l’Union suisse des arts et métiers;
membre de la CFR

Dans les entreprises suisses, grandes ou petites, travaille quotidiennement une foule de personnes en provenance de très nombreux pays. Dès lors, les sources de conflits se voient démultipliées, non seulement entre Suisses et étrangers, mais également entre étrangers. Et on ne peut nier que ces conflits peuvent être attisés par un racisme ambiant, toujours présent quand la communication entre les cultures ne parvient pas à s’épanouir. Dans ce contexte, il est du devoir du chef d’entreprise de veiller à ce que des ferments de racisme ne s’immiscent pas dans son entreprise ou son atelier. Il a un intérêt humain et économique évident à ce que ses collaborateurs puissent accomplir leur tâche dans un climat empreint de tolérance et de respect mutuel. Dans son rôle préventif, le chef d’entreprise peut, et doit, désamorcer toute crise qui aurait des motifs raciaux. C’est pourquoi, l’Union suisse des arts et métiers (USAM), en tant qu’organisation faîtière des petites et moyennes entreprises, et l’Union patronale suisse, en tant qu’organisation faîtière de l’industrie, ont décidé de s’associer à la démarche de la Commission fédérale contre le racisme. Même si nous sommes convaincus que le risque de dérives racistes dans nos entreprises est relativement limité, il nous semble important de bien marquer notre volonté de tout mettre en oeuvre pour que le poison raciste n’infecte pas notre vie économique. SPOCK sera sans doute un instrument utile pour sensibiliser les jeunes, dès leur entrée dans la vie active, sur les avantages qu’une coexistence pacifique avec leurs camarades et collègues d’autres nationalités peut leur apporter, tant au niveau de leur enrichissement personnel qu’au niveau de l’ambiance qui régnera sur leur lieu d’apprentissage ou de travail.

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